Aufgrund kontinuierlich steigernder Benzin- und Dieselpreise schauen sich Pendler vermehrt nach günstigeren Alternativen um. Schließlich wird das Tanken künftig noch teurer, obwohl eine Tankfüllung die Haushaltskasse bereits jetzt empfindlich belastet. Im WISO-Tipp wurde erst kürzlich ein interessanter Test gemacht. Pendler Sven-Hendrik Hahn hat die vier gängigen Antriebe Erdgas, Elektro, Benzin und Diesel im Praxistest miteinander vergleichen. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Über 20 Millionen Pendler sind täglich in Deutschland unterwegs. Angesichts der kürzlichen Bahnstreiks dürften es noch mehr werden. Doch leisten kann sich das Pendeln nicht jeder. Mit enormen Kraftstoffkosten schlägt das Auto als teuerstes Fortbewegungsmittel zu buche. Aufgrund der Entwicklungen stellt sich die Frage, ob sich alternative Antriebe wie Elektro oder Gas rentieren. Auf Verbraucherportalen und Foren wird deutlich, dass sich immer mehr betroffene Pendler mit dem Thema Autogas beschäftigen, wie auch die Ratgeber-Community gutefrage.net beweist. Dort ist bereits eine rege Diskussion darüber ausgebrochen, ob gasbetriebene Fahrzeuge für Pendler empfehlenswert sind.

Im Test von WISO wurde der VW Golf als Testfahrzeug herangezogen, der als einziges Fahrzeug alle vier Antriebsformen unterstützt. Damit die Preise am Ende realistisch und möglichst korrekt ausfallen, wurden vier Fahrzeuge mit ähnlicher Ausstattung gewählt. Die Anschaffungskosten für den Golf gestalten sind unterschiedlich:

  • Benziner: 24.800,00 Euro
  • Diesel: 27.200,00 Euro
  • Erdgas: 28.200,00 Euro
  • Elektro: unter 35.000,00 Euro


Die Kosten

Experten des Verkehrsclub Deutschland (VCD) haben die Kosten für die verschiedenen Antriebsformen exakt ermittelt. Dabei spielten folgende Posten eine Rolle:

  • Betriebskosten für Treibstoff
  • Fixkosten z.B. Steuer und Versicherungen
  • Wertverlust
  • Werkstattkosten (Reparaturen, Reifen, Inspektion)
  • Pauschale für sonstige Kosten wie Wagenpflege, Öl usw.


Zum Kostenfaktor Treibstoff heißt es unter zdf.de: „Treibstoff über vier Jahre bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 km zu den aktuellen (eher günstigen) Preisen: Super 1,54 Euro/Liter, Diesel 1,35 Euro/Liter, Gas 1,09 Euro/kg und Strom 0,28 Euro/kWh. Die vom Hersteller angegebenen Verbräuche nach EU-Norm sind deutlich niedriger als die Realverbräuche. Neueren Untersuchungen zufolge ergeben sich durchschnittliche Abweichungen von über 30 Prozent. Wir sind von Realverbräuchen ausgegangen, die 30 Prozent höher sind als die angegebenen.“

Das Ergebnis der Berechnungen ist erstaunlich und überraschend zu gleich. Bei 15.000 Kilometern pro Jahr fahren Pendler mit dem Erdgasantrieb am günstigsten. Pro gefahrenen Kilometer müssen hierbei 43 Cent kalkuliert werden, das ergab die Hochrechnung der Experten. Direkt dahinter folgt der Dieselantrieb, der mit 45 Cent auf den zweiten Platz befördert wurde. Auf Platz liegt der Benziner mit 47 Cent, Elektro mit 51 Cent auf dem vierten Rang. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass es für den günstigen Favoriten Erdgas bislang nur 900 Tankstellen gibt.

Elektroautos, so der WISO-Tipp, eignen sich nur für Kurzstrecken, weil die Reichweite zu gering ist. Ein weiterer Vorteil beim Erdgas-Antrieb ist offensichtlich, dass beim Fahrverhalten zu Diesel oder Benzin kaum Unterschiede festzustellen sind. Anders als beim Elektrofahrzeug ist der Motor gleichermaßen hörbar. Zudem profitieren Erdgas-Nutzer vom zügigeren Tanken. In wenigen Minuten ist der Tank mit Gas gefüllt und die Fahrt kann fortgesetzt werden. Beim Elektrofahrzeug: Nachdem bereits nach knapp 150 Kilometer Schluss ist, müssten Autofahrer acht Stunden anhalten, um den Wagen vollzutanken. Getankt wird bei E-Tankstellen. Diese stellen unter anderem örtliche Energieversorger zur Verfügung. Auch hier ist die Menge an Tankstellen ein Manko. Gerade einmal 3.000 solcher „Steckdosen“ für das Auto soll es laut RWE deutschlandweit geben. Von flächendeckender Versorgung kann daher keine Rede sein.


Fazit
Aufgrund der Berechnungen sind gasbetriebene Autos für Pendler durchaus lohnenswert. Angesichts der geringeren Ausgaben können Vielfahrer von erheblichen Ersparnissen profitieren. Nicht vergessen werden darf allerdings der Anschaffungspreis für derartige Fahrzeuge. Vor dem Kauf sollte jeder Pendler individuell berechnen, wann sich die anfänglich hohen Ausgaben amortisieren. Sind die Strecken zu gering, ist es denkbar, dass sich die hohen Investitionen nicht rentieren. Steigen die Ausgaben für Benzin und Diesel weiterhin, dürften viele Pendler mit Erdgas wesentlich besser fahren. Nachteilig wirkt sich das knappe Tankstellennetz aus. Vor Anschaffung eines entsprechenden Wagens beziehungsweise einer Umrüstung sollte überprüft werden, ob auf den jeweiligen Routen Erdgas-Tankstellen vorhanden sind. Da zur Überbrückung von Engpässen sämtliche Erdgasautos mit einem ergänzenden Benzintank ausgestattet sind, können knappe Tank-Kapazitäten ohne Weiteres ausgeglichen werden.